Montag, 18. September 2006

Apropos Wahlen

Gewonnen haben wieder alle Parteien, insofern kann Deutschland rundum optimistisch in die Zukunft blicken. Und das mit der NPD, nun, das hätte viel schlimmer kommen können. So wie 1933.

Donald "Rummy" Rumsfeld

Mittlerweile kommen sogar Militärexperten aus der früheren Reagan-Administration zu dem Schluß, daß der sogenannte "Krieg gegen den Terror" langsam verloren geht.
Die berühmte, selbstentlarvende und dennoch fast prophetisch anmutende Frage von Donald Rumsfeld aus dem Jahre 2003:

Today, we lack metrics to know if we are winning or losing the global war on terror. Are we capturing, killing or deterring and dissuading more terrorists every day than the madrassas and the radical clerics are recruiting, training and deploying against us?

wird eindeutig mit nein beantwortet.
Was könnte helfen? Natürlich mehr desgleichen. Mehr Entschlossenheit. Mehr Gefangenenlager. Mehr Krieg. Mehr Truppen in Irak.
Mehr "Gutes Geld" soll dem bereits verlorenen hinterhergeschmissen werden. Die Verfechter solcher Vorschläge, in der Regel überzeugte Befürworter des Irak-Krieges der ersten Stunde, haben offensichtlich eine andere ProphezeiungFrage des Donald Rumsfeld über die Folgen der mangelden Nachhaltigkeit der amerikanischen Strategie überlesen:

Is our current situation such that "the harder we work, the behinder we get"?

Die Antwort darauf lautet ja.

Sonntag, 17. September 2006

Herbst

Weinrot.

Freitag, 15. September 2006

Rückimport mal anders

20 000 Tonnen Abfälle, die illegal aus Deutschland nach Tschechien exportiert wurden, sind mittlerweile mit einem finanziellen Aufwand von 250 000 € reimportiert worden.

Montag, 11. September 2006

Kerwe

Da war diesmal nicht viel los. Zwei Wagen mit Süßigkeiten, ein Schießstand, ein Stand, wo man mit dem Kescher Plastikfische (10 Fische 3 €, 20 Fische 5€, jeder Fisch gewinnt!) aus einem Bassin rausholen konnte, eine Reitschule* mit Plastikpferden, eine Bahn mit Boxautos** und zwei Wagen der Fa. Wüst Getränkehandel GmbH , wo der ASV Würstchen und Getränke verkaufte.
Früher, vor paar Jahrzehnten, war der Kerweplatz viel größer, die Holzpferde waren handbemalt, und in der nahegelegenen Turnhalle wurde abends getanzt. Das mit dem Tanzen war damals besonders lustig, da die meisten Männer die vier Kerwetage im gründlichen Dauersuff verbrachten.
Heute betrinken sich eher die jungen Leute, Mädchen vor allem. Lauter junge Mädchen saßen auf der Bande der Autoscooter-Bahn, rauchten und tranken irgendwas aus blauen oder durchsichtigen kleinen Flaschen. Wenn sie mal aufstanden, torkelten und kicherten sie dabei vergnügt.
Wir näherten uns der Getränkebude.
-Was willst Du trinken?
-Ein Radler.
Zwei junge Männer bedienten am Tresen. Derjenige, der mich nach meinem Wunsch fragte, schwankte leicht aber merklich. Seine Augen waren glasig.
-Einen Schoppen Bier und ein Radler, bitte.
-Das macht… ähm… achtsiebzig, mit Pfand. Er fing gleich an, das Bier zu zapfen. Sein Kollege leerte eine halbe Flasche Zitronenlimonade in einen der Bierkrüge. Er schwankte auch.
-Was wollt Ihr trinken, Nora?
-Ein Bier und ein Glas Sekt. Ich bin eine Dame.
-Noch'n Schoppen Bier und ein Glas Sekt.
-Jetzt wird's kompliziert. Das macht dann zusammen… mit Pfand… elfsechzig.
Ich zahlte. Wir setzen uns, tranken, schauten uns um und begrüßten den einen oder anderen der Anwesenden.
Unsere Nachbarin Martina ließ, als sie uns sah, ihre Begleitung stehen und kam rüber zu uns. Sie drängte sich zwischen Nora und mich und redete auf Vera ein, die mir gegenüber saß. Es ging um ihre Mutter - Pflegefall -, um Ärzte, Versicherungen, Pflegedienste und Arzneiwirkstoffe.
Ich trank mein Bier langsam aus und machte Nora mit dem leeren Glas hinter Martinas Rücken ein unmißverständliches Zeichen.
-Die nächste Runde geht auf mich. Was wollt Ihr haben? Martina wollte nichts, Vera einen Schoppen neuen Wein, Bernd und ich blieben beim Bier. Nora verschwand mit den leeren Gläsern und kam etwas später mit dem Bier zurück. Martina redete immer noch. Nora holte im zweiten Anlauf den Wein und für sich selbst ein Glas Orangensaft.
-Das kann doch so nicht stimmen. Für den Pfand habe ich die Getränke gekriegt und noch einssechzig zurück. Dann sagte er, Pfand müßte ich keinen zahlen, ich hätte ja die anderen Gläser zurückgebracht. Kann das angehen?
-Der ASV macht auf diese Weise garantiert Pleite.
-Was heißt überhaupt ASV?
-Keine Ahnung. Vielleicht Amateursportverein?
-Jawohl. Profis sind sie bestimmt nicht. Ich prostete Bernd grinsend zu.
Wir überzeugten uns alle, daß Vera Recht hatte und der neue Wein scheußlich schmeckte, während das Bier nach wie vor in Ordnung war. Martina sprach noch schnell 20-30 Sätze aus und verschwand. Wir tranken, quatschten noch ein bißchen und fingen dann langsam an zu frösteln. Daraufhin beschlossen wir zu gehen.
Ich brachte die leeren Gläser zurück und kassierte noch 6 € Pfand.



* Karussell
** Autoscooter

Sonntag, 10. September 2006

Dropping Confusion?

Überzeugen Sie sich aber lieber selbst.

Schlechtes Timing

Obwohl wir drei Mal in der Woche an diesem Schild vorbeilaufen, habe ich bisher noch keine Patrouille gesehen. So bleiben die Fragen zur Rasse, Uniform und Bewaffnung der vierbeinigen Soldaten natürlich unbeantwortet. Wie gern hätte ich auch meinen eigenen Hunden wenigstens einen von diesen ganzen Kerlen vorgestellt.

Donnerstag, 7. September 2006

Kaum zu glauben

Musiklegende Bob Dylan ist mit seinem Album "Modern Times" nach 30 Jahren wieder auf Platz eins der amerikanischen Hitparade.

Dienstag, 5. September 2006

Was darf die Satire (3): Wo der intellektuelle Hammer hängt

Als Satire kann ich den offenen Brief von Harald Staun an Natascha Kampusch nicht durchgehen lassen.
Mag sein, daß er auch die Medien im Visier seines Sarkasmus hat, wobei in diesem Fall das äußerst diffus und inkonsequent vorgetragen wird. (Braucht man in dieser Beziehung über die "Realsatire" vom Bildblog hinaus noch eine Steigerung? Dann muß man viel früher aufstehen, als Harald Staun es getan hat, seine Gedanken ordnen, und einen originellen und in sich konsistenten Beitrag schreiben.)
Der offene Brief greift aber unzweifelhaft auch Natascha Kampusch an, die genauso unzweifelhaft vor 8 Jahren entführt wurde und mit ziemlicher Sicherheit eine aufs Schwerste traumatisierte Person ist.
Die mächtig überlegenen Medien, würdig vertreten von Harald Staun, machen sich lustig über ein ohnehin vom Schicksal gezeichnetes, schwaches, knapp 18jähriges, einseitig gebildetes Mädchen. Alle Achtung.
Der grenzenlose Zynismus dieser Einstellung wird in einem der wenigen zustimmenden (oder etwa doch nicht?) Kommentare zum Artikel von Harald Staun klar. Da schreibt ein gewisser Marc Neef folgendes:
"Harald Staun schlägt zurück... ...und bietet Frau Kampusch tapfer die Stirn. Hut ab vor so viel Eloquenz und Mut! Das mag nun etwas sarkastisch klingen, aber ich finde es toll wenn unsere journalistische Elite diesen selbsternannten Entführungsopfern mal zeigt, wo der intellektuelle Hammer hängt."
Ernst? Ironie? Ein Kommentar erübrigt sich in beiden Fällen.

Der Leser ist bestimmt aufs Äußerste gespannt, was ich überhaupt der Satire zugestehe, wo ich diese Frage schon mal, hier und auch hier, aufgeworfen und nicht beantwortet habe.
Ja, was darf sie nun, die Satire?
Der Altmeister Tucholsky wird immer wieder mit seinen Worten : "Was darf Satire? Alles."* in den Zeugenstand gerufen, der kann sich ja nicht mehr wehren. Damit wird unterstellt, daß man sich jede Gemeinheit unter dem Deckmantel der Satire erlauben kann. Satire darf alles. Alles darf Satire. Alles ist Satire. Unsinn. War es nicht der gleiche Tucholsky, der im gleichen Aufsatz gesagt hat: "Der Satiriker ist ein gekränkter Idealist."?
Jawohl, Satire darf alles, solange es Satire bleibt. Es gibt keine Satire des Stärkeren, genauso wie es keine Satire von Rechts gibt. Satire ist dem Schwächeren als kleiner Ausgleich für die großen Ungerechtigkeiten des Lebens vorbehalten. Ales andere ist Schund.


*Die Satire muss übertreiben und ist ihrem tiefsten Wesen nach ungerecht. Sie bläst die Wahrheit auf, damit sie deutlicher wird, und sie kann gar nicht anders arbeiten als nach dem Bibelwort: Es leiden die Gerechten mit den Ungerechten. […] Was darf die Satire? Alles." - "Was darf die Satire?", in: "Berliner Tageblatt", Nr. 36, 27. Januar 1919

Sonntag, 3. September 2006

Das Parfum

Ich mußte neulich unsere Katze Leni (hier bei der Morgentoilette) aus dem Tabakschuppen* vom Merkelhof befreien. Nein, sie war nicht eingesperrt, obwohl die Türen abgeschlossen waren. Die Scheune hat nämlich zur Belüftung so viele Löcher wie ein Laib Schweizer Käse. Sie war aber in einer Höhe von über sechs Meter hochgeklettert und wußte nicht mehr runter.
Ich will aber gar nicht die Befreiungsaktion schildern (obwohl sie es verdient hätte) sondern was ganz anderes.
Als ich in den Tabakschuppen reinging, hat mich der Duft der trocknenden Blätter schlicht überwältigt: es roch genauso gut wie in einem Bienenstock. Bisher war ich der Meinung, daß das Tabakaroma hauptsächlich durch irgendwelche Zusätze bei der Fermentierung entsteht. Und daß die Duftnote Tabak auf Blütenextrakt basiert. Mannmannmann. 30 Jahre lang rauchen und nicht wissen, was Sache ist. Womöglich hätte ich damals das Rauchen noch mehr genossen. Und jetzt ist es um elf Jahre zu spät dafür.

*Es wundert mich immer wieder, daß noch niemand "Tabakbauer sind Mörder" darauf gesprüht hat.

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