Montag, 28. April 2008

Wortkreationen (V)

Die Zeiten, in denen man unter „Universum“ „das Ganze“, „alles, was es gibt“ oder „die Gesamtheit aller Dinge“ verstand, sind vorbei. Alles reicht dem modernen, inflationsgeplagten Menschen, halt nicht: es muß noch mehr sein. So bin ich neulich via Verde über die Wortkreation „Omniversum“ hier gestolpert. „So ein Quatsch! Dann kann man genausogut Contraversum, Antiversum, Paraversum, Multiversum oder auch Pluriversum sagen“ dachte ich mir. Aus einer Laune heraus habe ich danach ein bißchen gegoogelt. Das Ergebnis war niederschmetternd: das gibt’s alles schon!
Das erinnert mich an das schöne Wort GAU: das ist bekanntlich der größte anzunehmende Unfall. Das reichte genausowenig, Supergau, Hypergau und auch Megagau ließen nicht lange auf sich warten.
Gaga? Mehr! Megagaga.

Sonntag, 27. April 2008

Tödliche Heilung

Über einen Artikel von Marcus Hammerschmitt aus Telepolis bin ich auf die „Germanische Neue Medizin®“ gestoßen. Natürlich kann ich mich an den Fall der kleinen Olivia und an den damals verzapften Unsinn erinnern. Daß der Unsinn aber System hat, und zwar ein germanisches... Verzeihung! Germanisches Neues, war mir nicht bekannt.
Ich zitiere aus der Kurzeinführung in diese germanische... Verzeihung! Germanische Neue Medizintheorie:

Fremde Mikroben
Die Mikroben sind nach der Germanischen Neuen Medizin® unsere Hilfsarbeiter und sind nur während der Heilungsphase aktiv. Die Symbiose, die der Körper mit den Mikroben eingegangen ist, und die er als Programm gespeichert hat, stammt einerseits aus der Entwicklung, andererseits aus der Zeit während und nach der Schwangerschaft. Was nicht im Programm gespeichert ist, ist die Möglichkeit, die der Mensch hat, in sechs Stunden in einem ganz anderen Kontinent zu sein mit anderen Mikroben. Kommt es bei Gelegenheit einer solchen Reise zu einer Konfliktlösung und der anschließenden Heilungsphase, so bedient sich der Körper der im betreffenden Gebiet vorhandenen Mikroben zu seiner Heilung. Er nimmt dabei normalerweise solche, die am besten zum Programm passen. Da der Körper sich aber nicht mit diesen Mikroben über die Erfahrung auskennt, kann es zu unangenehmen bis tödlichen Reaktionen kommen. Die Mikroben an sich sind also nicht das Problem und der Auslöser einer „tropischen“ Krankheit, sondern die zufällige Konfliktlösung.


Es gibt also keine Krankheiten, nur Heilungsprozesse, die jedoch gelegentlich auch tödlich verlaufen können. Wo gehobelt wird, da fallen bekanntlich auch Späne.
Aber in einem Punkt muß man dem Germanischen Hamer recht geben. Es gibt in der Tat Krankheiten, deren Heilung auschließlich unter der Annahme des Patiententodes vorstellbar ist. Dazu gehört mit Sicherheit der Neue (sowie der Alte) Germanismus. Und noch ein paar weitere
–ismen.

Dienstag, 8. April 2008

Wie die Zeit verrinnt

Beeinflußt durch die eigene Werdung und durch alle Veränderungsprozesse in unserer Umwelt, die immer zukunftsgerichtet sind, nehmen wir Menschen an, daß auch die Zeit im Uhrzeigersinn fließt.
Das ist natürlich weit gefehlt, denn wenn das tatsächlich so wäre, dann liefe sie uns einfach davon, die Zeit, und wir könnten sie nie einholen.
Nein, nein, die Zeit läuft genau andersherum. Sie kommt uns entgegen. Aus einer unbestimmten Zukunft wird - über das Provisorat der Gegenwart – das Endgültige: die Vergangenheit.

Mittwoch, 19. März 2008

Das hauseigene Atomkraftwerk...

...als eine preiswerte Lösung der Endlagerung radioaktiver Abfälle:

"Sie bauen das Ding, packen das Material Ihrer Wahl hinein – zum Beispiel Strontium 90 mit einer Halbwertszeit von 28,5 Jahren -, schließen ab, Erde drauf... und haben je nach verwendetem Isotop mehrere Jahrzehnte eine nahezu wartungsfreie Energiequelle."

Den Brennstoff kriegt man beim Raiffeisenhändler um die Ecke, natürlich aufbereitet und sauber, strahlende Sauberkeit.
"Geben sie mir 200 Kilo Strontium 90. Aber ohne Konservierungsstoffe, bitte."

Nachtrag
Für Eilige: wie wäre es mit Thalium 204, Halbwertzeit 3,8 a? Wirkt auch gegen Ratten. Oder noch schneller: Jod 131, Halbwertzeit 8,1 d, wirkt desinfizierend!

Montag, 17. März 2008

Momentaufnahme

Grauer Himmel, grauer Regen, graue Gedanken. Ich repariere einen grauen, halbvermoderten Holzzaun und sinniere über die besondere Ästhetik der Farbe grau, über den Verfall und dessen grenzenlose Nachhaltigkeit.

Mittwoch, 12. März 2008

Haarspalterei oder die Sache mit dem Glashaus

Mein anderer Spezialfreund Boris Lavicka (jawohl, ich habe im Moment meine nensch-Tage) kennt den feinen Unterschied zwischen Faschismus und Nationalsozialismus, weiß aber offensichtlich nicht so genau, was das Wort Duktus bedeutet. Das Letzte, was man diesem armen und schutzlosen Begriff an Bedeutung unterschieben kann, ist nämlich eine persönliche Note oder ein faux-pas bei der Auslegung von Begriffsdefinitionen.
Und wenn wir schon von Duktus sprechen, beachten Sie bitte die besondere Resonanz des Kommentartitels:
Dudenisierter DDR Duktus !
Welch ein Dummdumm Geschoß!

Sonntag, 9. März 2008

Über das Reiten toter Pferde und den Zustand der Göttlichkeit

Die den Dakota Indianern zugeschriebene Weisheit : „Wenn du merkst, daß du ein totes Pferd reitest, steig ab!“ wird meistens für eine Selbstverständlichkeit gehalten. Fälschlicherweise, muß ich leider hinzufügen, denn kaum einer hält sich wirklich daran, wenn es so weit kommt.
Mein Spezialfreund Hans-Joachim Griebe (siehe z.B. hier) macht in dieser Beziehung keine Ausnahme: er reitet auf www.nensch.de munter weiter. Gelegentlich vollführt er sogar wahre Kunststücke, so wie neulich:

[ ] Ist Ihnen nicht klar(zumachen), dass, wenn Sie kein Dichter sind, Sie niemand sind? Dass Sie aber, solange Sie dichten, ein Gottgleicher sind? [ ]
Das macht einem Angst, ich weiß. Aber wenn Sie nicht einen Griebe, eine Klöden ertragen können - wie wollen Sie dann den Nobelpreis ertragen?
Eine Frau wird Sie da hinschleppen müssen. Finden Sie sie.


Griebe(n)schmalz, halt.

Moralische Sicht

In Israel entflammt angesichts der jüngsten Militäraktionen im Gaza-Streifen die Debatte um die moralischen Aspekte des Krieges gegen den Terror aufs Neue.
Liebe Israelis, eure Sorge um eure moralische Überlegenheit ist unbegründet: ihr habt bei euren Vergeltungsaktionen außer dem Frieden nichts zu verlieren. Aber rein gar nichts.

Donnerstag, 28. Februar 2008

Der große Betrug

Irgendwann im Leben kommt eine Zeit, da fängt man an, wieder die Musik von damals zu hören und wieder die Bücher von damals zu lesen. Man trifft auch wieder die Leute von damals, sofern sie noch leben. Obwohl man ganz genau weiß, daß man von alledem nur angelogen wurde.

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ZimTsTerNcHeN - 29. Apr, 14:13
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